Authentizität, was ist das eigentlich?

Gedanken am Abend oder auch Dinge, die mich aktuell auf Instagram in den Stories immer mal wieder irgendwie nerven sind die folgenden:

#realtak

„Für mehr Realität auf Instagram“

„Ich möchte authentisch sein“

#Realtak ist ja eigentlich ein Warnsignal, dass die eigene Meinung folgt, die sich in der Regel negativ über irgendetwas äußert. Übersetzt heißt „#Realtalk“ ja eigentlich „Achtung, zu einem gesellschaftliche Problem möchte ich nachfolgend meine Meinung kundtun“. Die Warnung kommt also vorab.

„Für mehr Realität auf Instagram“ soll oft angeben, dass die kunstvoll erstellten und bearbeiten Bilder nicht der Realität entsprechen. In der Theorie finde ich den Ansatz eigentlich ganz gut. Meist kommt es mir aber doch so vor, als wolle sich die Person sich für ihr nicht perfektes Leben/ Aussehen rechtfertigen. Als stünde eine Angst dahinter, die Wahrheit zu zeigen. Also schließt man sich allen Anderen an, die ebenfalls diesen „Hinweis“ hinterlegen. So hat man wenigstens diese „Gruppe“ als imaginäre Stütze im Rücken.

„Ich möchte authentisch sein“ ist der Hinweis, mit dem ich das eigentliche Problem habe. In der lieben Instagram-Welt wird authentisch mit „ich verheimliche euch nicht die negativen Aspekte meines Lebens“ gleichgesetzt. Dr. Wikipedia sagt dazu „Authentizität (…) bedeutet Echtheit im Sinne von „als Original befunden“. Nun die Frage: Kann ich nicht auch authentisch sein und gleichzeitig gewisse Teile meines Lebens für mich behalten? Authentizität bedeutet in meinen Augen, den eigenen Kern nicht verlieren. Man selbst zu sein, so wie man ist. Eben den eigenen Charakter, das eigene Ich nicht verstellen. Mein Charakter, mein Ich, können da sein, auch wenn ich Informationen vorenthalte.

Im Grunde ist Authentizität was wunderbares. Ich finde es gibt keine schöneren Menschen, als diejenigen, die einfach wirklich so sind, wie sie sind (natürlich aber nur soweit, wie sie niemandem damit schaden). Aber der Hinweis authentisch sein zu wollen, hat für mich irgendwie einen negativen Beigeschmack. Es klingt nach Rechtfertigung. Dabei ist es eigentlich das Schönste. Ich kenne persönlich keine schöneren Menschen, als diejenigen, die absolut sie selbst sind und sich auch gar keine (oder zumindest augenscheinlich keine) Gedanken darüber machen. Sie wirken leicht und natürlich und sicher mit sich selbst. Warum also rechtfertigen? Einfach machen und leben!

Du magst vielleicht auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.