Meine Meinung zu ‚What the Health‘

Wenn man über Social Media Veganern folgt, kommt man um ‚What the Health‘ kaum drumrum. An jeder Ecke wird diese tolle Dokumentation empfohlen, die aufzeigt, wie unglaublich schlecht tierische Produkte sind und wie gesund eine vegane Ernährung ist.

Natürlich habe ich mich auch auf den Weg zu Netflix gemacht, um sie zu gucken. Die meisten Dokumentationen zu Gesundheit oder aber der pflanzenbasierte(re)n Lebensweise, sorgen dafür, dass ich in dem was ich tue wieder bestärkter und „euphorischer“ bin.

Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich etwas zu dieser Doku schreiben soll oder nicht. Eine Ernährungsberaterin aus den Niederlanden, die sich ebenfalls pflanzenbasiert ernährt, hat meine Meinung sehr sehr angemessen wiedergegeben und ich wünschte, es gäbe ihre Posts und Podcasts auf englisch, um sie zu teilen. Gibt es aber nicht. Da ich das, was sie sagt, wichtig finde, möchte dann doch meine eigene, ähnliche Meinung doch einmal verfassen.

Here we go

Kurz nachdem die Doku heraus kam, habe ich sie sofort gestartet. Und nach nur 20 Minuten wieder aus gemacht. Von Anfang an einseitige Berichterstattung. Eine Dokumentation ist für mich etwas neutrales, das Situationen aus mehreren Sichtweisen zeigt. Alle, die interviewt wurden, sofern sich das mitbekommen habe, waren starke Befürworter der veganen Ernährung/ Lebensweise. Alles andere wurde „belächelt“, weil ja eindeutig falsch und die Frage ist nur, warum sie Unwahrheiten verbreiten.

Mein größtes Problem mit dieser Doku und anderen Vertretern, die die eindeutige und bewiesene einzig gesunde Ernährung an den Mann bringen (und das gilt nicht nur für die vegane Fraktion, sondern jede, sei es nur Gluten, Paleo, Fruktose, Weizen) ist die isolierte Betrachtung und voreingenommene Interpretation von Studien.

Es gibt Studien, die das beweisen

Noch viel schlimmer: „es gibt eine Studie, die herausgefunden hat, dass…“. Etwas wissenschaftlich zu beweisen ist ein sehr komplexes und langes Verfahren. Es müssen alle auffindbaren Studien zu dem Thema gesucht werden. Sprich es werden nicht nur die Studien mit einbezogen, die die Hypothese unterstützen, sondern auch diejenigen, die die Hypothese widerlegen oder in eine andere Richtung weisen. Sie müssen darauf untersucht werden, ob sie die gestellte Hypothese wirklich beantworten. Sie müssen auf ihre Aussagekraft geprüft werden (Methodik, Störfaktoren, Studiengröße, Studiendauer etc.). Es muss geguckt werden, ob es andere Faktoren gibt, die das Studienergebnis beeinflusst haben könnten. Dann erst kann man alle Ergebnisse zusammen beurteilen und ein (derzeitiges) Endergebnis erstellen.

Was ich oft sehe, ist jedoch sehr sehr selektiv herausgepickte Studien. Kein Vergleich von Studien, keine ausgiebige Recherche. Man hat gesucht, was man hören wollte und man findet immer die Antwort, die man haben möchte, wenn man lange genug sucht.

Sponsoren aus der Fleisch- und Milchindustrie machen die Empfehlungen

Ja, das Sponsoring der Fleisch und Milchindustrie ist kritisch zu betrachten. Viele Studien und Empfehlungen werden von dieser Sparte bezahlt. Hier gibt es gerade auch mit den kanadischen Empfehlungen, die sich mehr in Richtung pflanzenbasiert orientieren ein paar Probleme. Da sprechen  diverse Fleischproduzenten ihre Befürchtungen im Bezug auf die Gesundheit der Kanadier mit weniger Fleisch aus.

Was jedoch auch so ist: Irgendwer muss es bezahlen. Studien und die Arbeit an Empfehlungen sind sehr sehr teuer und finanzieren sich nunmal nicht von Luft und Liebe. Die Menschen, die daran arbeiten, müssen von irgendwas leben. In der Doku werden konkret die Empfehlungen der Ernährungspyramide der American Nutrition Association kritisiert. Diese enthalten Fleisch, Milch und werden von vielen Fleisch, Fast Food und Süßigkeitenherstellern gesponsert. Guckt man sich diese Empfehlungen bzw. Lebensmittelpyramiden an, sieht man zwar Fleisch und Milchprodukte, aber in ihrer natürlichen Form. Nicht verarbeitet und als Fast Food angeboten. Fast Food und Süßigkeiten stehen nicht umsonst in den kleinsten Eckchen und sollten minimal verzehrt werden. Jetzt erkläre mir mal jemand welchen Vorteil z.B. Mars oder McDonalds davon haben, wenn empfohlen wird möglichst wenig Fast Food und Süßigkeiten zu verzehren? Aber sie sind dafür verantwortlich, dass Milch und Fleisch in gewissen Mengen empfohlen wird? Ja genau…

Es ist bewiesen, dass Fleisch und Milch bestimmte Krankheiten verursacht

Es ist bewiesen, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen Menschen, die Fleisch und Milchprodukte verzehren und bestimmten Wohlstandskrankheiten. Es ist nicht bewiesen, dass Fleisch und Milch die alleinigen Verursacher sind. Wichtiger Punkt, den viele leider nicht verstehen. Es besteht ein Zusammenhang zwischen zwei Dingen heißt nicht, dass es auch eine Ursache ist.

Die vegane Ernährung kann zur Genesung vieler Krankheiten eingesetzt werden

Stimmt. Das ist tatsächlich Praxis. Auch in vielen (Ernährungs-)Fachzeitschriften gibt es derzeit immer wieder Berichte darüber, dass eine pflanzenbasierte Ernährung bei vielen Wohlstandskrankheiten als positiver Faktor gilt. Das einzig fragliche ist für mich jedoch noch, ob es durch die vielen neuen Ballaststoffe und Mikronährstoffe und sekundären Stoffe oder das weglassen der tierischen Produkte kommt. Das ist nämlich sehr sehr schwer zu untersuchen.

Noch was positives?

Ja. So viel ich an dieser Doku und anderen Vertretern der veganen Ernährung auch kritisiere. Fakt ist, sie machen Menschen darauf aufmerksam, dass die pflanzliche Ernährung nicht schlecht für uns ist und viele positive Effekte haben kann. Aus ethischer Sicht ist es mir wichtig, dass möglichst wenig tierische Produkte konsumiert werden und zwar wäre es mir lieber, die Menschen würden solche Entscheidungen auf gut informierter Basis treffen, Hauptsache ist doch, sie werden überhaupt offener für diese Ernährung.

 

Für alle die, die sich für die Verbreitung von Fehlinformationen im www interessieren, hier ein nettes Video: Klick

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2 Kommentare

  1. Von What the Health höre ich gerade zum ersten Mal… aber ich bin auch eher niemand, der den Moralaposteln unter den Veganern folgt…

    Wenn ich ein Abo für Netflix hätte, dann würde ich mir einige Dinge auch gern noch ansehen… To the bone zum Beispiel, oder jetzt eben auch diese Doku hier. Aber ich hab kein Abo und auch kein Geld dafür 😀

    Dass in der Doku zu einseitig beleuchtet wird, ist wirklich schade. Sowas kann ich auch nicht ausstehen… und was du zu den Studien schreibst, liest sich echt nicht so gut, also was die Machart der Doku angeht. Es nervt nämlich echt, dass es zwar viele Studien gibt, aber die nie kritisch hinterfragt und abgeglichen werden.

    Dass Empfehlung auch finaziert werden müssen, war mir irgendwie nicht direkt bewusst – aber es leuchtet natürlich ein. Dass aber Süßigkeitenfirmen für Fleisch und Milch in einer Ernährungs-Empfehlung verantwortlich sein sollen, finde ich ebenso absurd wie du!

    Das mit Korrelation und Kausalität ist mir auch schon oft begegnet… das ist ja immer so. Lerne ich viel, weil ich schlau bin, oder bin ich schlau, weil ich viel lerne? 😀 Nur so als Beispiel…

    Schön, dass du sogar als Veganerin so kritisch hinterfragst, warum sich die tierproduktsfreie Ernährung positiv auswirkt! Ich hoffe ja, dass es reicht, mehr Gemüse und Obst zu essen und weniger Süßigkeiten… denn auf Milchprodukte und Eier mag ich nicht verzichten.

    Liebe Grüße

    1. Ich glaube im großen und ganzen sind leider die meisten ‚Dokumentationen‘, die man so auf Netflix etc. sehen kann recht einseitig beleuchtet. Meist sind sie von Personen gemacht, die von einem bestimmten Thema überzeugt sind und andere überzeugen wollen. Oder eben zeigen wollen, wie offizielle Stellen ganz offensichtlich was falsch machen, wenn sie der vorgefertigten Meinung widersprechen… dabei ist es auch gleich im welches Thema es geht… das Muster ist leider in der Regel das selbe …

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