Verpflichtungen vs. Optionen

Zunächst einmal muss ich sagen, dass mir das Wort „Verpflichtung“ nicht ganz passt. Das Ausgangswort wäre „Commitment“ aber alle deutschen Übersetzungen sind für mich irgendwie nicht ganz passend.

Kennt ihr das?

Kennt ihr das auch, wenn es um Verabredungen geht? „Mal gucken“ „ich weiß noch nicht“ „das muss ich spontan entscheiden“ „ich weiß noch nicht ob ich das schaffe“ „wir können ja morgen was machen/ telefonieren etc“… Regelmäßig erhalte ich solche Antworten, wenn ich nach Verabredungen frage und selbst habe ich mir leider auch angewöhnt häufiger diese Antworten zu geben. Schon vor langem habe ich mir Gedanken dazu gemacht, insbesondere nachdem ich einen Artikel gelesen habe, in dem auf die Problematik des Optionen offen halten eingegangen wurde.

Glücklicher ist, wer sich festlegt

Wieder in Erinnerung gerufen wurde es mir durch ein paar Sätze in einem Buch, die ich nun leider nicht mehr wieder finde. Darin wurde gesagt, dass man glücklicher mit den Dingen ist, auf die man sich festlegt. Soweit ich mich erinnere wurden dort untersucht, ob sich diejenigen, denen man eine feste Zusage abverlangte oder diejenigen, denen man die Option der „vorläufigen Zusage“ einräumte, mehr auf das bevorstehende Event freuten. Heraus kam, dass diejenigen, für die es ein Fakt war, dass sie am besagten Event teilnehmen würden, sich mehr freuten und weniger dazu geneigt waren ab zu sagen. Ich könnte mir vorstellen, dass das zum Einen daraus resultiert, dass man garnicht auf die Idee kommt zu überlegen, was man sonst noch machen könnte. Man hält nicht Ausschau nach anderen Optionen. Man konzentriert sich auf die Sache, die bevorsteht und entwickelt Vorfreude.

Von mir selbst weiß ich, dass ich mich eher auf Dinge einlasse, denen ich fest zusage. Zwar bin ich vorher in der Regel recht aufgeregt, aber ich sage ungern ab und freue mich auch oft auf etwas. Wenn ich „vielleicht“ zusage, sage ich in der Regel ab. Es sei denn ich habe spontan total viel Lust drauf.

Das Problem mit dem Internet

Gerade die Generation, die mit Social Media und Handys aufgewachsen ist, scheint diese Tendenz zu haben, sich nicht festlegen zu wollen um andere Optionen offen zu halten. Mein erstes Handy hatte ich mit 14, damals musste man 20 Cent pro SMS bezahlen. Es wurden also nicht so viele verschickt. Wir hatten nicht die ganze Zeit Internet, wodurch wir auch nicht mit potentiellen Veranstaltungen und Möglichkeiten bombardiert wurden. Ebenso verhält es sich mit potentiellen Partnern. Bei denjenigen in meinem Alter stelle ich fest, dass diese sich doch größtenteils viel eher auf eine Beziehung festlegen. Bei den knapp 5-10 Jahre jüngeren Bekannten sieht das schon wieder ganz anders aus. Die wenigsten stecken in einer Beziehung, lernen aber eine Menge potentieller Partner kennen aber irgendwas stimmt nicht. Auch die Scheidungsrate scheint ja durchaus zu steigen. Natürlich ist das nicht festlegen nicht der einzige Grund dafür, aber ich denke, dass das „Normalsein“ einer Scheidung fast die Bindung irgendwie nicht „fest“ macht. Man hat immer die Option die Ehe zu beenden. Man muss sich also eigentlich nicht festlegen und vermindert somit eventuell die Freude an der Beziehung und den Einsatz diese zu erhalten.

Ich vermute, dass es inzwischen einfach viel zu viele Optionen gibt und man einfach weiß/ denkt, dass es immer „besser“ geht. Ein besseres Event, ein besseres Studium, ein besserer Job, ein besseres Haus, ein besserer Partner.

Auch in der Ernährungsberatung haben wir übrigens gelernt, dass man sich feste, klar definierte Ziele setzen sollte, da man sich sonst zu schnell rausredet und sein Ziel nicht durchzieht.

Was nehme ich mir vor?

Es ist wieder so weit: Ich nehme mir vor, klar ja oder nein zu sagen, wenn es um Verabredungen geht.

Du magst vielleicht auch

2 Kommentare

  1. Ach, da sprichst du was wichtiges an… Einerseits bin ich echt ein Freund von festen Zusagen und dann auch echt enttäuscht, wenn jemand doch am Ende absagt, weil ich sowas selbst eher nicht mache.
    Allerdings habe ich aktuell auch echt Zeitprobleme durch das Studium (und mein Pony) und kann daher oft nicht direkt zusagen, weil ich nicht weiß, wie der Stundenplan zu dem Zeitpunkt sein wird. Und dazu kommt noch, dass ich mich körperlich momentan oft so fühle, als wäre ich halb tot, weswegen ich mir immer denke „Nimm dir nicht zu viel vor, du musst dich ausruhen.“. Das sagt mir meine Mama nämlich ständig, wenn ich mich noch nicht festgelegt habe und ihr davon erzähle.
    Echt doof…

    Trotz Handy lege ich persönlich mich aber gerne fest – ja oder nein und dabei bleibt es. Ich mag das ständige Nachdenken sonst nicht 😉

    Was das mit den Partnern angeht, kann ich deine Beobachtung aber nicht ganz bestätigen. Ich habe sowohl Freunde, die schon Jahre in einer Beziehung mit der gleichen Person stecken, als auch welche, die schnell wechseln. Und als ich meinen letzten Freund „abschaffte“ meinte meine Oma nur, dass meine Mutter auch schon so gewesen wäre.

    Hast du eine Idee, was ich machen soll, wenn jemand mich fragt, ob ich IRGENDWANN Lust auf xy habe? Grundsätzlich will ich ja nicht immer nein sagen, aber ich weiß halt auch nicht, wie ich alles in meinen Zeitplan kriegen soll ohne ein Burn-Out oder so zu bekommen 🙁

    Liebe Grüße

    1. Ja das ist schon sehr schwer, wenn man nicht weiß, wie man sich zu dem Zeitpunkt fühlt und ob man die Energie für etwas hat. Ich habe früher dann auch oft gesagt, ich weiß noch nicht. Versuche mir aber anzugewöhnen wirklich klar zu oder ab zu sagen, wenn ich weiß, dass es knapp werden könnte, sage ich ab. Falls es dann spontan doch klappen würde, frage ich die Person, ob sie noch immer dafür offen wäre, da es sich bei mir so ergeben hat, dass es doch ginge. Das ist mir persönlich auch lieber, als wenn ich bis kurz vorher nicht weiß ob es klappt, dann freu ich mich lieber spontan, wenn es dann unerwartet doch etwas wird 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.